Wir stellen uns unserer Verantwortung: Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Westerfilde

Liebe Pfadfinder*innen,

wir möchten euch heute über ein schwieriges und wichtiges Thema informieren, das unseren Verband betrifft:Der VCP Westfalen arbeitet aktuell Vorfälle sexualisierter Gewalt aus den 1980er-Jahren in einem ehemaligen Pfadfinder*innenstamm in Dortmund-Westerfilde auf. Der Stamm ist bereits in den 1990er-Jahren erloschen.Bislang ist uns der Fall einer betroffenen Person bekannt, die damals im Jugendalter Mitglied des Dortmunder Stammes war. Wir stehen mit der betroffenen Person im Austausch und begleiten die weitere Aufarbeitung.Unser Anspruch ist, dass Pfadfinden im VCP ein Ort ist, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene sicher sind, Vertrauen erfahren und sich frei von Gewalt und Machtmissbrauch entwickeln können. Wir bedauern zutiefst, dass diese Person sexualisierte Gewalt erfahren musste. Als schützende Institution haben wir versagt. Als Verband übernehmen wir dafür die volle Verantwortung und wollen alle bekannten Vorgänge sorgfältig und konsequent weiter aufarbeiten:Wir suchen weitere Betroffene und Zeug*innenWir gehen davon aus, dass möglicherweise noch weitere Menschen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt oder anderen Formen von Machtmissbrauch im Zusammenhang mit dem damaligen Stamm gemacht haben. Deshalb möchten wir möglichst viele Menschen erreichen, die selbst betroffen waren oder Beobachtungen gemacht haben, die für die Aufarbeitung relevant sein könnten. Aus diesem Grund veröffentlichen wir diese Mitteilung nicht nur hier innerhalb des Verbandes, sondern werden sie auch an die zuständigen Kirchenkreise und weitere mögliche Netzwerke weiterleiten und gegenüber der Presse veröffentlichen. So möchten wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Menschen, die von den damaligen Vorgängen wissen oder selbst betroffen sind, von der Möglichkeit der Aufarbeitung erfahren.Betroffene können sich per E-Mail an aufarbeitung@vcp-westfalen.de direkt an uns oder alternativ an die unabhängige Anlauf- und Beratungsstelle zum Themenfeld „Sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend“ Wildwasser Bielefeld e.V. wenden:
info@wildwasser-bielefeld.de
Telefon: +49 1521 175476

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dich an Dr. Britta Jüngst, die interne Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt im kirchlichen Kontext der Evangelischen Kirche von Westfalen, zu wenden:
britta.juengst@ekvw.de
Telefon: +49 151 57659323

Auch anonyme Meldungen werden im Aufarbeitungsprozess voll berücksichtigt.Was bedeutet das für euch und eure Stämme?Durch die Veröffentlichung und die Suche nach weiteren Betroffenen und Zeug*innen kann es in den kommenden Wochen vermehrt zu Rückfragen in euren Stämmen kommen. Menschen können sich bei euch melden, weil sie die Veröffentlichung gesehen haben, Fragen dazu haben oder eigene Erinnerungen und Erfahrungen teilen möchten… Ihr müsst solche Gespräche nicht führen und auch keine eigene Aufarbeitung leisten! Leitet die Personen bitte an die genannten Kontaktadressen weiter. Wenn ihr unsicher seid, wie ihr mit einer Anfrage umgehen sollt, könnt ihr euch jederzeit direkt an uns im Landesbüro bzw. an den Vorstand wenden.Was passiert, wenn sich die Presse bei euch meldet?
Sollte sich die Presse direkt bei euch oder eurem Stamm melden, leitet die Anfrage bitte an Carsten Schild (Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Bundeszentrale) weiter:
carsten.schild@vcp.de
Telefon: +49 561 78437 – 17

Bitte gebt gegenüber der Presse keine persönlichen Einschätzungen oder Informationen zu möglichen Betroffenen oder konkreten Fällen weiter. Wir möchten sicherstellen, dass Anfragen gebündelt und sensibel beantwortet werden und insbesondere die Persönlichkeitsrechte möglicher Betroffener geschützt bleiben.Wir wollen hinschauen und zuhörenAufarbeitung bedeutet für uns nicht nur, zurückzublicken. Wir wollen verstehen, was damals passiert ist, Verantwortung übernehmen und daraus für unseren Verband lernen. Dabei ist es uns wichtig, dass jede betroffene Person selbst entscheiden kann, ob, wann und mit wem sie ihre Geschichte teilen möchten. Niemand muss sich rechtfertigen oder seine Erfahrungen beweisen.Wenn du selbst betroffen bist, etwas beobachtet hast oder unsicher bist, ob du dich melden möchtest: Du bist damit nicht allein. Du kannst dich an eine der genannten Stellen wenden und zunächst auch einfach ein Gespräch führen und dich über deine Möglichkeiten beraten lassen.Wir wissen, dass diese Nachricht Fragen, Unsicherheit oder auch persönliche Erinnerungen auslösen kann: Bitte geht achtsam mit euch und miteinander um.Wir wollen uns gemeinsam unserer Verantwortung stellen und weiter dafür sorgen, dass unser Verband heute und in Zukunft ein sicherer Ort für alle sein kann.

Landesleitung und der Vorstand des VCP Westfalen